Assistenzsysteme (L2-ADAS)

Abstandstempomat plus Spurhalter, das Auto hält Abstand und Spur, du bleibst verantwortlich und hältst das Lenkrad.

Assistenzsysteme der Stufe 2 halten Abstand und Spur gleichzeitig, du bleibst aber Fahrer und haftest. Seit Juli 2024 schreibt die EU einen Großteil davon für jeden Neuwagen vor, deshalb hat jedes hier gelistete Modell sie an Bord. Der Unterschied liegt nicht im Ob, sondern im Wie: Abstimmung, Warntöne und Abschaltbarkeit entscheiden, ob du die Systeme nutzt oder bei jeder Fahrt genervt ausknipst.

Assistenzsysteme (L2-ADAS), Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert (Kennzeichnung)
Inhalt
  1. Was Level 2 bedeutet
  2. Was die EU seit 2024 vorschreibt
  3. Was es dir im Alltag bringt
  4. Wo die Grenzen sind
  5. Was es kostet und was es spart
  6. Zahlen, die du kennen solltest
  7. Worauf du achten musst
  8. Was oft falsch erzählt wird
  9. So machen es BYD, MG und Leapmotor
  10. Modelle mit Assistenzsysteme
  11. Häufige Fragen
  12. Quellen

Was Level 2 bedeutet

Die Stufen des automatisierten Fahrens reichen von 0 (keine Hilfe) bis 5 (kein Fahrer nötig). Fast alles, was heute verkauft wird, ist Stufe 2: Das Auto regelt Tempo und Abstand (Abstandstempomat) und hält die Spur (Spurhalteassistent) gleichzeitig. Du musst trotzdem jederzeit eingreifen können, die Hände am Lenkrad halten und die Verkehrslage beobachten. Bei Stufe 2+ darfst du bei manchen Systemen die Hände nehmen, bleibst aber verantwortlich, eine Kamera überwacht deine Aufmerksamkeit. Erst bei Stufe 3 übernimmt der Hersteller die Verantwortung, und zwar nur in engen Grenzen.

Der ADAC hat im November 2025 Autobahnsysteme der Stufen 2+ und 3 verglichen und rät, Werbeaussagen kritisch zu lesen: Fast immer bist du selbst verantwortlich, auch wenn du die Hände vom Lenkrad nehmen darfst. Keines der hier gelisteten chinesischen Modelle hat in Deutschland ein Stufe-3-System. Namen wie „Pilot“, „Navigate“ oder „Intelligent Driving“ ändern daran nichts. Rechtlich ist es ein Fahrerassistenzsystem, nichts weiter.

Was die EU seit 2024 vorschreibt

Mit der EU-Verordnung 2019/2144 (General Safety Regulation) müssen seit dem 7. Juli 2024 alle neu zugelassenen Pkw bestimmte Systeme serienmäßig haben, auch Modelle, die schon länger verkauft werden. Dazu gehören ein intelligenter Geschwindigkeitsassistent (Tempolimit-Erkennung mit Warnung), ein Notbremsassistent, ein Notfall-Spurhalteassistent, ein Müdigkeits- und Aufmerksamkeitswarner, eine Notbremsleuchte, ein Unfalldatenspeicher und die Vorbereitung für eine Alkohol-Wegfahrsperre. Die Vorschrift gilt für jede Marke gleich, egal ob aus Wolfsburg oder Shenzhen.

Das erklärt, warum auch ein Leapmotor T03 oder ein MG4 Urban Tempolimit-Warner und Spurhalter hat. Der Haken: Der Tempowarner darf abgeschaltet werden, ist aber nach dem Neustart wieder aktiv. Wie leicht das geht, ob mit einer Taste oder über drei Menüebenen, bestimmt der Hersteller. Genau da unterscheiden sich die Marken, und genau das solltest du bei der Probefahrt ausprobieren. Die Pflicht sorgt also für die Grundausstattung, nicht für die Qualität.

Leapmotor T03
Leapmotor T03: Panoramadach, 10,1-Zoll-Display, L2-ADAS serienmäßig · Foto: Alexander Migl, CC BY-SA 4.0

Was es dir im Alltag bringt

Auf der Autobahn und im Stau nimmt dir ein gut abgestimmtes Stufe-2-System echte Arbeit ab: Das Auto bremst mit, fährt wieder an und hält die Mitte der Spur. Auf einer Strecke von 300 km merkst du den Unterschied in der Müdigkeit. Notbremsassistent und Totwinkelwarner greifen im Ernstfall ein, auch wenn du sie nie bewusst nutzt. Euro NCAP bewertet genau diese Funktionen im Bereich Safety Assist. Der BYD Sealion 7 erreicht dort 79 Prozent, der Leapmotor B10 85 Prozent.

Was die Zahlen nicht zeigen: Ein System, das bei jedem Tempolimit-Schild und jeder Fahrbahnmarkierung piept, wird abgeschaltet. Und ein abgeschaltetes System schützt niemanden. Deshalb ist die Alltagsabstimmung wichtiger als der Prozentwert im Crashtest. Achte bei der Probefahrt darauf, wie das Auto auf Baustellen, verblasste Markierungen und Motorräder reagiert. Dort trennt sich ein brauchbares System von einem, das du nach zwei Wochen nur noch ausschaltest. Ein guter Spurhalter korrigiert sanft, ein schlechter reißt am Lenkrad.

Wo die Grenzen sind

Chinesische Modelle fielen in Tests mehrfach durch unruhige Systeme auf. Beim Leapmotor C10 kritisierten Tester einen nervösen Spurhalter, einen Abstandstempomaten, der vor Kurven unnötig bremst, und häufige Warntöne ohne erkennbaren Grund. Viele Besitzer schalten die Systeme zu Beginn jeder Fahrt ab; Leapmotor hat einen Teil per Over-the-Air-Update nachgebessert. Beim BYD Atto 3 (Modelljahr 2022) stufte Euro NCAP das Assistenzsystem im Oktober 2024 als „Not Recommended“ ein, mit 55 Prozent Assistance Competence und 35 Prozent Safety Backup. BYD lieferte ein Update, das Modelljahr 2025 erreicht „Good“ mit 67 und 80 Prozent.

Das zeigt zwei Dinge. Erstens: Die Software bestimmt, wie gut das System ist, nicht die Hardware. Zweitens: Updates können das ändern, du bist also nicht auf den Stand vom Kauftag festgelegt, aber auch nicht sicher, dass er kommt. Dazu kommt die Bedienung: Beim C10 liegt fast alles im Touchscreen, das lenkt ab. Euro NCAP hat im Oktober 2026 bestätigt, dass physische Tasten für Grundfunktionen wieder in die Bewertung einfließen.

Was es kostet und was es spart

Die Pflichtsysteme kosten keinen Aufpreis, sie sind in jedem Neuwagen drin. Der volle Stufe-2-Umfang mit Spurwechsel auf Blinker oder Stauassistent ist bei BYD, MG und Leapmotor laut Preislisten ebenfalls serienmäßig, nicht als Aufpreis-Paket. Sparen kannst du damit nichts Konkretes, außer Nerven auf langen Strecken. Was dich etwas kosten kann, sind Reparaturen: Sensoren in Stoßfängern und Kameras hinter der Windschutzscheibe müssen nach einem Austausch neu kalibriert werden. Frag beim Händler, ob die Werkstatt das vor Ort kann.

Zahlen, die du kennen solltest

7. Juli 2024

Pflichtassistenten für Neuwagen seit

Seit diesem Datum müssen alle neu zugelassenen Pkw in der EU u. a. Geschwindigkeitsassistent, Notbremsassistent, Notfall-Spurhalter, Müdigkeitswarner und Unfalldatenspeicher haben (Verordnung (EU) 2019/2144)

Quelle, 2024-07
55 % / 35 %

Assisted-Driving-Wertung Atto 3 2022

BYD Atto 3 (Modelljahr 2022) bei Euro NCAP Assisted Driving: Assistance Competence / Safety Backup, Urteil „Not Recommended“ (Oktober 2024)

Quelle, 2024-10
67 % / 80 %

Assisted-Driving-Wertung Atto 3 2025

BYD Atto 3 (Modelljahr 2025) mit neuem Assistenzsystem: Assistance Competence / Safety Backup, Urteil „Good“

Quelle, 2024-10
79 %

Safety Assist BYD Sealion 7

Safety Assist des BYD Sealion 7 im Euro-NCAP-Test 2025

Quelle, 2025-04
85 %

Safety Assist Leapmotor B10

Safety Assist des Leapmotor B10 im Euro-NCAP-Test 2025

Quelle, 19.11.2025
130 km/h / 95 km/h

Tempogrenzen Stufe 2+ und 3

ADAC-Vergleich November 2025: BMW Highway Assistant (Stufe 2+, Fahrer verantwortlich) bis 130 km/h, Mercedes Drive Pilot (Stufe 3, Hersteller verantwortlich) bis 95 km/h auf kartierten Autobahnen

Quelle, 2025-11

Worauf du achten musst

  1. Mach eine Probefahrt von mindestens 30 Minuten mit Landstraße und Autobahn, nicht nur um den Block. Nur dann erlebst du Spurhalter, Tempowarner und Abstandstempomat im Einsatz.
  2. Probiere aus, wie viele Schritte das Abschalten des Tempowarners und des Spurhalters braucht. Eine Taste oder ein Schnellzugriff am Display ist Alltag, drei Menüebenen bei jeder Fahrt nerven.
  3. Fahre bewusst durch eine Ortsdurchfahrt mit Tempowechseln und prüfe, ob die Schildererkennung die Limits richtig liest.
  4. Beobachte, ob der Abstandstempomat vor Kurven oder bei Gegenverkehr grundlos bremst. Das war beim Leapmotor C10 ein Hauptkritikpunkt.
  5. Frag nach dem Software-Stand und ob der Hersteller Updates over the air liefert. Beim BYD Atto 3 hat ein Update das Euro-NCAP-Urteil von „Not Recommended“ auf „Moderate“ gehoben.
  6. Sieh dir an, welche Funktionen echte Tasten haben: Warnblinker, Scheibenwischer, Enteisen, Lautstärke. Alles nur im Touchscreen ist beim Fahren schlechter bedienbar.
  7. Lass dich nicht von Namen wie „Pilot“ täuschen. Hände am Lenkrad, Blick auf die Straße, du haftest.

Was oft falsch erzählt wird

„Mein Auto fährt auf der Autobahn von selbst.“

Nein. Stufe-2-Systeme halten Abstand und Spur, du bleibst aber verantwortlich und musst jederzeit übernehmen. Stufe 3, bei der der Hersteller haftet, gibt es in Deutschland nur bei wenigen Oberklassemodellen und nur in engen Grenzen.

„Chinesische Autos haben schlechte Assistenzsysteme.“

Zu pauschal. Die Hardware ist meist komplett, die Abstimmung war bei einigen Modellen schlecht. Der BYD Atto 3 ging von „Not Recommended“ (2022) auf „Good“ (Modelljahr 2025). Der Leapmotor B10 erreicht bei Euro NCAP 85 Prozent Safety Assist.

„Den Tempowarner kann ich einmal ausschalten, dann ist Ruhe.“

Nach EU-Vorgabe darf er abschaltbar sein, ist aber nach dem Neustart wieder aktiv. Entscheidend ist, wie schnell das geht.

„Viele Sensoren bedeuten ein gutes System.“

Die Software entscheidet. Der Atto 3 bekam mit derselben Hardware per Update eine bessere Bewertung.

So machen es BYD, MG und Leapmotor

Alle Modelle der drei Marken haben Stufe-2-Assistenz serienmäßig, auch der Leapmotor T03 (laut Preisliste „L2-ADAS serienmäßig“) und der MG4 Urban. BYD nennt sein System je nach Modell unterschiedlich; beim Atto 3 hat Euro NCAP die Entwicklung von „Not Recommended“ (2022) über ein Update zu „Good“ (Modelljahr 2025) dokumentiert, beim Sealion 7 liegt Safety Assist bei 79 Prozent. Leapmotor erreicht beim B10 85 Prozent Safety Assist, beim B05 nach dem neuen Schema 77 Prozent Crash Avoidance und 66 Prozent Safe Driving; der C10 bekam in Tests Kritik für nervöse Spurhaltung und grundloses Bremsen, teils per Update behoben. MG liegt mit MG4 Urban, MGS5, MGS6, IM5 und IM6 bei fünf Sternen aus 2025. Für alle gilt: Wie die Systeme sich anfühlen, steht in keiner Tabelle, nur auf der Probefahrt.

Modelle mit Assistenzsysteme

Leapmotor T03ab 18.900 € · 275 km · Kleinwagen

Häufige Fragen

Was ist L2-ADAS?

Fahrerassistenz der Stufe 2: Das Auto regelt Abstand und Spur gleichzeitig, du bleibst verantwortlich und hältst das Lenkrad. ADAS steht für Advanced Driver Assistance Systems.

Kann ich den Spurhalteassistent dauerhaft ausschalten?

Den Notfall-Spurhalter nach EU-Vorgabe nur je Fahrt, den Komfort-Spurhalter je nach Hersteller auch dauerhaft im Menü. Probiere es bei der Probefahrt aus, das unterscheidet sich stark.

Warum piept mein E-Auto bei jedem Tempolimit?

Der intelligente Geschwindigkeitsassistent ist seit Juli 2024 Pflicht und warnt bei Überschreitung. Er darf abgeschaltet werden, ist aber nach jedem Start wieder an.

Haben BYD, MG und Leapmotor Level 3?

Nein, in Deutschland nicht. Alle Modelle sind Stufe 2. Du musst jederzeit übernehmen können.

Werden die Assistenzsysteme per Update besser?

Das kann passieren. BYD hat den Atto 3 per Update von „Not Recommended“ auf „Moderate“ gebracht, Leapmotor hat beim C10 Kritikpunkte over the air nachgebessert. Eine Garantie darauf gibt es nicht.

Wer haftet, wenn der Assistent einen Unfall verursacht?

Bei Stufe 2 du als Fahrer. Das System ist eine Hilfe, keine Übernahme der Fahraufgabe.

Quellen

  1. Euro NCAP: BYD improves Assisted Driving system in response to Euro NCAP's ATTO 3 gradingeuroncap.com · 2024-10
  2. Euro NCAP: BYD Sealion 7, Test 2025 (Safety Assist 79 %)euroncap.com · 2025-04
  3. Euro NCAP: Leapmotor B10, Test 2025 (Safety Assist 85 %)euroncap.com · 19.11.2025
  4. Euro NCAP: Leapmotor B05, Test 2026 (Safe Driving 66 %, Crash Avoidance 77 %)euroncap.com · 2.9.2026
  5. Euro NCAP: Pressemitteilung „Buttons are back for basic functions“ (12.10.2026)euroncap.com · 12.10.2026
  6. mobiflip: Neuwagen ab 2024 – Assistenzsysteme werden Pflicht (Verordnung (EU) 2019/2144, Stichtag 7. Juli 2024)mobiflip.de · 2024-07
  7. EnBW: Assistenzsysteme im Auto – diese sind Pflicht bei Neuwagenenbw.com · 2024
  8. motor1.de: ADAC-Vergleich automatisiertes Fahren auf der Autobahn (Level 2+ vs. Level 3)de.motor1.com · 2025-11
  9. firmenauto.de: Leapmotor C10 REEV im Alltagstest (Kritik an Assistenzsystemen)firmenauto.de · 2025
  10. AUTO BILD: Leapmotor C10 REEV Test (Bedienung über Zentralbildschirm)autobild.de · 2025

Stand 20.10.2026. Keine Produktempfehlung, keine Kaufberatung im Rechtssinn.

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